Online-Arzt: So hilfreich ist die Behandlung per Videochat
Welche Vorteile hat der Online-Arzt? © Andrey_Popov @ Shutterstock.com

Online-Arzt: So hilfreich ist die Behandlung per Videochat

Termin beim Arzt oder Ferndiagnose übers Internet? Mehr als 1500 Patienten nutzen jeden Monat das deutschsprachige Angebot der britischen Online-Praxis DrEd. Das ist hilfreich und hat entscheidende Vorteile zum klassischen Arztbesuch. 

Online Doc – Arzt auf Abruf

Es gibt Drogeriemärkte, Apotheken und mittlerweile auch Ärzte im Netz. In der Schweiz schon lange etabliert, stoßen solche Angebote in Deutschland noch auf Ablehnung. Das liegt zum einen an der weit verbreiteten Skepsis vieler Mediziner gegenüber einer neuen digitalen Patienten-Kommunikation und zum anderen an der deutschen Rechtssprechung.

Die Musterberufsordnung verbietet es deutschen Ärzten Ferndiagnosen bei Patienten zu stellen, die sie zuvor nicht persönlich gesehen haben. In anderen Ländern ist Telemedizin längst gang und gäbe. Beim britischen Online-Arzt DrEd beraten professionelle Ärzte telefonisch, via Internet oder im Videochat. Und das rund um die Uhr.

DrEd – der Hausarzt ohne Wartezeit

DrEd, eine Online-Arztpraxis mit Sitz in London, bietet diese Form der Ferndiagnose auch für deutsche Patienten an. David Meinertz, Gründer und Chef des Online-Portals, erklärt das Prinzip so: “Wir sind ein Hausarzt, ohne Wartezeit und möchten den Patienten den Zugang zum Arzt erleichtern.” Patienten sollen den Arzt aufsuchen können, wann und wie sie wollen: morgens, abends oder am Wochenende, über Telefon, Video oder den Computer. All das von Zuhause aus – oder eben von unterwegs.

Diagnose und Rezept per Telefon

Insgesamt beschränkt sich das Angebot auf 35 ausgesuchte Krankheitsbilder. Darunter einige unangenehme Beschwerden wie Geschlechtskrankheiten, Blasenentzündungen, Errektionsstörungen oder Haarausfall. Auch Folgerezepte für die Behandlung von Bluthochdruck stellt DrEd beispielsweise aus. Vor allem mit unangenehmen Krankheiten oder Fragestellungen meidet man gerne das persönliche Gespräch mit dem Arzt. Ein anonymer E-Mail-Kontakt scheint da verlockend.

Einfach eine Anfrage per E-Mail schicken, gegebenenfalls noch ein Foto von den betroffenen Stellen anfügen und schon wird das gewünschte Rezept ausgestellt. Das kommt entweder per Post nach Hause oder wird auf Wunsch gleich an eine Versandapotheke verschickt. Die Behandlungsgebühr liegt je nach Aufwand zwischen 9 und 49 Euro. In vielen Fällen lässt sich die Gebühr nachträglich von der Krankenkasse zurückholen.

Ein Arzt für ganz Europa?

Möglich ist die Fernbehandlung durch eine EU-Richtlinie zu Mobilität von Patienten. Der Patient hat innerhalb der EU-Mitgliedsländer die frei Arztwahl. Demnach müssen Verschreibungen anderer EU-Länder in Deutschland anerkannt werden. In England sind Ferndiagnosen inklusive Verschreiben von Rezepten zulässig. Für DrEd sind zwei deutsche Ärzte mit englischer Zulassung tätig, die somit in ganz Europa behandeln dürfen – auch aus der Ferne. Noch kollidiert hier deutsches mit europäischem Recht. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin engagiert sich daher für eine Abschaffung des Fernbehandlungsverbots.

Warum der Online-Arzt den realen dennoch nicht ersetzen kann

DrEd möchte das Angebot der niedergelassenen Ärzte ergänzen und nicht ersetzen. Auch wenn heute viele Behandlungen telemedizinisch erfolgen können, bleibt der direkte Kontakt mit dem Arzt in vielen Fällen notwendig. Was der Patient als harmlosen Atemwegsinfekt empfindet, kann sich beim Abhören durch den Facharzt als Lungenentzündung entpuppen. Hier ist der direkte Patientenkontakt unverzichtbar. Als zusätzliches Angebot könnten Online-Sprechstunden jedoch die Wartezeiten verkürzen und Ärzte entlasten.

“#Telemedizin: Termin beim Arzt oder Ferndiagnose übers Internet? #eHealth“

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In Zukunft könnte zum Beispiel der Hausarzt schon vor der Terminvergabe in einem Video-Gespräch klären, welche Patienten den Weg in die Praxis antreten sollen und wer aus der Ferne behandelt werden kann. Auch das Ausstellen von Folgerezepten und die Überweisung zum Facharzt wären online denkbar. Der Experte könnte per Videokonferenz hinzugeschaltet werden und dann selbst entscheiden, ob er den Patienten nochmal sehen möchte oder nicht.

Eine moderne Medizin muss das Angebot an die Gegebenheiten des Menschen anpassen und nicht umgekehrt. Ein Online-Arzt ist zeitgemäß, komfortabel für Arzt und Patient und spart auch noch Kosten.

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