Generali bringt die personalisierte Versicherung nach Europa

Generali bringt die personalisierte Versicherung nach Europa

Generali bringt die personalisierte Krankenversicherung nach Europa. Das Prinzip: Wer gesund lebt wird mit Prämien oder einem Preisnachlass belohnt.

Mehr Bewegung, gesunde Ernährung, besseres Leben. In den Leistungsgesellschaften der Industrienationen sind Fitness und Vitalität zu sozialen Werten geworden. Die tägliche Joggingrunde und der Gang ins Fitnessstudio dienen der fortlaufenden Selbstoptimierung. Schneller, weiter und höher hinaus: der Perfektion hinterher hechelnd. Immer auf der Suche nach einem besseren Ich.

Dabei laufen wir nicht länger nur für uns selbst.

Fitness-Apps, Fitnessarmbänder und smarte Begleiter wie die Apple Watch erfassen Daten wie zurückgelegte Kilometer, verbrannte Kalorien oder messen die Herzfrequenz. Die gesammelten Daten dokumentieren den eigenen Erfolg und machen ihn teilbar. Bei Facebook wird jede Trainingseinheit gepostet. Der Vergleich mit Anderen mündet in Fernduellen via Internet. Selftracking, die ständige Selbstvermessung macht Wohlbefinden und Gesundheit quantifizierbar. Du bist, was du misst.

Technologie, Transparenz und Big Data machen es möglich. Getreu dem Motto: Viele gesunde Menschen – gleich bessere Gesellschaft.

Der Körper wird zum Kapital

Die tägliche Arbeit am perfekten Ich macht die Selbstvermesser zum idealen Kunden von Versicherungskonzernen. Sie wittern ein lukratives Geschäft. Wer bereit ist seine Fitnessdaten und Ernährungsgewohnheiten offen zu legen, wird mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten belohnt. Der gesunde Körper wird zu Kapital.

Mit Oscar zahlt sich Gesundheit aus

Das amerikanische Start-up Oscar prämiert das täglich erreichte Ziel an zurückgelegten Schritten mit einem Dollar pro Tag. Maximal 240 Dollar können so im Jahr gesammelt werden. Allerdings nur als Geschenkgutschein bei Amazon. Der Versicherer behält sich dabei vor, das tägliche Ziel für Aktivitäten anzupassen. Unklar bleibt, was mit der Versicherungsprämie passiert, wenn man die Ziele dauerhaft nicht erreicht.

Cashback für Fitnessfreaks

Das Prämienmodell könnte auch bald hierzulande Schule machen. Mit der Generali Gruppe setzt erstmals ein europäischer Versicherer auf die digitale Kontrolle von Fitness, Lebensstil und Ernährung. Dafür wurde eine Kooperation mit dem südafrikanischen Versicherungsunternehmen Discovery eingegangen. Discovery arbeitet in Südafrika schon länger mit der freiwilligen Fernüberwachung, dem sogenannten Telemonitoring. Das Programm dazu nennt sich “Vitality” und basiert auf einem Punktesystem wie man es von der Payback-Karte kennt.

Die Versicherten synchronisieren dazu ihre Fitness-Apps bzw. Fitnessarmbänder mit dem Vitality Fitness Portal und sammeln für tägliche Aktivitäten Punkte. Diese Punkte können später in Form von Preisnachlässen und Vergünstigungen eingelöst werden. Der Versicherer hat ein großes Netz an Partnern aufgebaut, bei denen der Versicherte Vergünstigungen erhält, wenn er sich gesundheitsbewusst verhält. Dazu zählen Fitnessstudios, Sportgeschäfte, Supermärkte, Kinos, Autovermietungen und sogar Airlines.

Der Angriff auf die Solidargemeinschaft

Es begann mit der “Blackbox” im Auto. Der US-Versicherer Progressive lockt Kunden mit individuellen KFZ-Tarifen. Dafür müssen sie allerdings ihr Fahrverhalten überwachen lassen.

Die kleine Box übermittelt die Daten an den Versicherer. Der erstellt anhand der Fahrweise ein Risikoprofil und passt die Police entsprechend an. Versicherte mit einer defensiven Fahrweise können davon profitieren und sparen. In Italien muss mittlerweile jeder Versicherer einen solchen Tarif anbieten. Das Prinzip einer personalisierten Krankenversicherung funktioniert ähnlich. Wer gesund lebt, zahlt weniger. Doch das führt das Solidarsystem und damit das Prinzip von Versicherungen ad absurdum. Schließlich leben Versicherungen davon, dass viele Beitragszahler die Risiken einiger weniger ausgleichen, auch über die Zeit. So picken sich aber einige wenige Versicherer die “Rosinen” in Form von gesunden Beitragszahlern heraus.

Weniger Risiko bedeutet trotz geringerer Beiträge mehr Gewinn für die Versicherungen. In einer solchen Rechnung bleiben chronisch Kranke auf der Strecke. Generali spricht in der Pressemitteilung von “einem gewinnende[n] und auf gemeinsamen Werten beruhende[n] Angebot”. In Wahrheit wäre die Aufkündigung der Solidargemeinschaft ein Verlust für uns alle.

 

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